Was ist HSP nicht

Dürre

Falsch ist, von etwas Seiendem zu sagen, es sei nicht, und von etwas Nicht-Seiendem, es sei. (Aristoteles)

Vermutlich aufgrund der Tatsache, dass in der Öffentlichkeit vielerlei Begriffe für HSP benutzt, manchmal vermischt oder gar vertauscht werden, möchte auch ich hier festhalten: Hochsensibilität selbst ist keine Krankheit, keine Störung und kein Mangel. Es ist eine charakterliche Disposition (E. Aron) bzw. Wesensmerkmal.

HSP Verwechslungen

Neurobiologisch liegen bei Hochsensibilität keine Entwicklungsstörungen und keine verzögerten Entwicklungsmerkmale wie z. B. bei einem ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) vor. Hochsensibilität bedeutet lediglich eine höhere Erregung und Verarbeitung von Sinnesreizen in entsprechenden Hirnarealen als bei nicht-Hochsensiblen.

Das Erscheinungsbild von hochsensiblen Menschen wird manchmal verwechselt mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung), da sich Apspekte von Hochsensibilität mit jenen von ADHS ähneln. Es gibt noch Bedarf die Unterscheidungsmerkmale beider genauer zu erforschen.

Hochsensibilität ist nicht gleichbedeutend mit Introversion, da allein 30% der Hochsensiblen extravertiert sind.
Auch unter Hochsensiblen gibt es High Sensation Seeker (HSS), also ein Persönlichkeitsmerkmal, das auf eine hohe Abwechslung und Suche nach neuen Erlebnissen zielt, um ein persönlich stimmiges, hohes Niveau von Reizen zu befriedigen.

Hochsensibilität ist nicht zwangsläufig mit einer Hochbegabung verbunden, da nur 3% der Bevölkerung als hochbegabt gelten, während 15-20% als hochsensibel eingeschätzt werden.

Die Kritikempfindlichkeit und ein geringes Selbstwertgefühl sind für sich allein noch kein Kriterium für eine Hochsensibilität. Sie kann Teil des Merkmals der Hochsensibilität sein, macht sie selbst als solche jedoch noch nicht aus.

Depression, Angst, Dissoziation und Störungen können aber, bei negativen Erfahrungen in Kindheit und heranwachsendem Alter, hier leichter entstehen als bei nicht hochsensilben Menschen. Bei günstiger, einfühlsamer Umgebung wirkt sich dieser positive Einfluss ebenso stark aus, so dass Hochsensible nicht einmal eine Anfälligkeit für jene Krankheitsbilder aufzeigen.

Fazit

Hochsensibilität gilt immer als ein Gesamtpaket: es betrifft immer das gesamte Wesen und jede Verhaltensweise der betreffenden Person. Im Sinne eines Puzzles sind also alle Puzzleteile des Bildes mit dieser Schicht überzogen. Eine gesonderte Angst, Kreativität, Zwang oder Vermeidung tritt nicht einzeln auf, wie bei anderen Krankheitsbildern oder wie z. B. nach einem Trauma.

Bei der Einzelbetrachtung eines Puzzleteils der Hochsensibilität könnte man leicht auf ein solches Krankheitsbild schließen, lockt aber oftmals auf die falsche Fährte, wenn es mit dem ganzen Puzzlebild nicht abgeglichen wird. Daher hat Elaine Aron eine Art Faustformel entwickelt, mit der sich Hochsensibilität von Störungen und Krankheitsbildern besser unterscheiden lässt.